Kampf der Kulturen und die Letzte Religion
Kampf der Kulturen und die Letzte Religion
In Fortsetzung der Sozialen Plastik von Joseph Beuys bietet die Gruppe Or-Om Basics globaler sozialer Integration mit einem neuen, wissenschaftlichen Religionsbegriff.
Der Kultur-Kampf-Konflikt zwischen den jüdisch-christlich "modernen" religiösen, individuellen, sozialen, politischen, ethischen und kulturellen Werten des Westens und jenen des "zurückgebliebenen" Islams lässt sich in folgendem Gleichnis treffend beschreiben. Auf einem Schulhof haben 18-jährige Pubertierende die ihnen unterlegenen 15-jährigen Pubertierenden im festen Würgegriff.
Keine der beiden Gruppen weiß aber, wie 30-jährige Erwachsene gebaut sind und wie sie miteinander umgehen sollten. In einem nächsten Aufklärungsschritt ist dem Westen klar zu machen, dass seine "reiferen" internen (Individualrechte, Trennung von Religion und Staat, Gewaltenteilung, Demokratie, Stellung der Frau usw.) und externen (neokolonialistisch -strukturell-gewaltsame Dominanz in den Ressourcenkonflikten und globalen Herrschaftsstrukturen) Verhaltensweisen von Reife noch weit entfernt sind.
Sowohl die jüdisch-christlich geprägten Systeme als auch die islamisch strukturierten Gruppierungen bedürfen daher evolutiver Schübe nach den Mustern reifer Religions- und Gesellschaftsformen (http://portal.or-om.org/society/tabid/6006/Default.aspx), die theoretisch bereits ausgearbeitet aber praktisch wohl noch kaum umgesetzt sind. Dies würde zur Begründung einer neuen Wissenschaftsreligion und der Ausarbeitung balancierter globaler Gesellschaftsformationen führen. Die Verbreitung derartiger Vorstellungen auf dem Schulhof erweist sich jedoch als schwierig. Die Installation setzt das Konzept der Sozialen Plastik bei Joseph Beuys fort.
http://portal.or-om.org/art/TheLastReligion/tabid/6253/Default.aspx
Im 0>port von Fr. 1.2. bis Mi. 30.4.2008 täglich von 10 -22h


Der Vergleich mit den pubertierenden Jugendlichen ist sehr anschaulich.
Ebenso wäre möglich, zu beoabchten, wie sich zum Beispiel Saurier und Säugetiere zueinander verhalten. An diesem Beispiel sehen wir weiter, dass die Umweltbedingungen auf dieses Verhältnis einen wesentlichen Einfluss haben. Solange die Saurier durch die Umwelt Vorteile hatten, lebten Säugetiere in Nischen und waren die Gejagten. Als sich die Umwelt veränderte, spielten die Säugetiere einen vorher nicht gekannten Vorteil - den Thermostat - aus und die Rollen kehrten sich um. Heute sind Saurier die Nischenwesen.
Die Säugetiere haben die Fähigkeit, in einem enorm breiten Temperaturbereich existieren zu können. Dieser Anpassungsvorgang an eine unwirtliche Umgebung hat das Gehirn in einem vorher nicht gekannten Ausmaß wachsen lassen.
Heute dominieren die Säugetiere, Saurier existieren nur in Klimazonen, die ihnen das erlauben.
Die Frage ist, ob wir mit Wissenschaft, Technologie, Aufklärung, Demokratie etwas geschaffen haben, das ein langfristiges Überleben garantiert. Denn die biologische Entwicklung spricht eher für Vorteile überwunden geglaubter fundamentaler Strukturen.
Die Antwort werden die Umweltbedingungen geben. Wer schafft es am besten, sich an die bevorstehenden Klimaveränderungen anzupassen?
Die Saurier brauchten Wärme und gleichmäßiges Klima. Wir brauchen enorme Energiemengen, um unser Kulturniveau aufrecht zu erhalten. Allerdings haben wir Wissenschaft, Technologie und Demokratie, die uns vielleicht das Überleben ermöglichen.
Was also kann man für den Schulhof daraus folgern?
Wie sehr die 18-jährigen Pubertierenden die 15-jährigen tatsächlich im festen Würgegriff haben können, hängt von der Umwelt ab. Vom Arbeitsklima in der Schule, von der Qualifikation der Lehrer, von den Anforderungen an die beiden Gruppen, von der Architektur des Campus, von der Herkunft der Schüler usw. Je mehr die 18-jährigen unter einem Leistungsdruck stehen, desto weniger können sie sich Rangordnungskämpfe mit den 15-jährigen liefern. Wenn die Jugendlichen unterfordert sind, oder sonstwie Chaos herrscht, können diese Konflikte eskalieren.
In der Realität ist diese Rangelei in der Schule nur eine Momentaufnahme. Ob die später 28-jährigen den dann 25-jährigen ebenso überlegen sind, wird nicht mehr im künstlichen Biotop der Schule sondern an der Realität geprüft und bei gutem Wind können sich die Ordnungen später ins gerade Gegenteil verkehren.
Genau das ist ja der Fall, wenn wir den frühen Islam mit dem halbwüchsigen Christentum vergleichen. Damals waren die kulturellen Unterschiede genauso eklatant wie heute, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
Die Frage, warum es so war und warum es heute nicht mehr so ist, hat nach meiner Ansicht eine einfache Antwort: es ist der Wohlstand, der die Kulturen unterscheidet. Wozu das Christentum in einer fundamentalen Epoche fähig ist, zeigt uns die Geschichte. Die Geschichte zeigt uns aber auch, dass Demokratie, Toleranz und Menschenrechte erst erblühen können, wenn der dafür erforderliche allgemeine Wohlstand die menschlichen Grundbedürfnisse befriedigt und die Menschen sich mehrheitlich (und nicht nur eine Oberschicht) diesen neuen gesellschaftlichen Zielen widmen können.
Verordnete Demokratie im Irak und in anderen Ländern funktioniert praktisch nicht ohne Aufsicht. Es ist eine Art Kindergarten. Zuerst benötigt es allgemeinen Wohlstand, dann kommt die Demokratie von allein, weil die unabhängiger werdenden Menschen in dem Land die Demokratie durchsetzen. Alle hoffen auf friedliche Umsetzung aber wenn wir auf unsere eigene Vergangenheit seit der Aufklärung zurückblicken, wissen wird, dass es enorme Opfer kosten kann.
Franz
Comment by Franz Fiala — January 6, 2008 @ 11:59 am
@franz
1) Natürlich werden die 18-Jährigen die anderen nicht dauernd im Würgegriff behalten können. Sowohl die muslimischen Länder entwickeln sich weiter, vor allem aber China, ein anderer 15-Jähriger mit autoritären Herrschaftsstrukturen und einem ganz anderen ideologisch-religiösen Hintergrund wird zunehmend “gefährlich”. Es geht also nicht nur um das Überleben infolge der drohenden *Umweltbelastungen* (darwinistische These) sondern auch um die Frage: können andere Staatengruppen im globalen Schulhof den Westen einmal in den Würgegriff bekommen, diesen nieder ringen und die Dominanz im Weltsystem erlangen? Dann würden sich immer wieder neue Mächte in der globalen Vorherrschaft ablösen. Die andere Variante wäre aber, dass ab einem bestimmten Punkt der Evolution keiner Staatengruppe mehr die Dominanz gelingen kann sondern es zu einem internationalen Globalausgleich in den Herrschaftsstrukturen und der Ressourcenverteilung kommen wird. Dann wären die Stufen der Evolution der Staaten:
Stammesbildung, Staatenbildung mit Hegemonialstrukturen unter den Staaten, kontinentale *freiwillige* Staatengruppen ohne Hegemonialstrukturen (z.B. EU), globaler Staatenbund ohne Hegemonie, Weltstaat. http://portal.or-om.org/society/InterkulturellePhilosophie/tabid/6070/Default.aspx
2) Sehr treffend die Feststellung dass der Islam dem Westen lange überlegen war.
Es ist klar, dass allgemeiner Wohlstand die Basis für demokratische Rechtsstrukturen ist, aber teilweise ist die Herstellung allgemeinen Wohlstandes auch die FOLGE demokratischer Zustände mit Erschließung der Individualressourcen, Initiativen und Motivationen z.B. der “kapitalistischen Rationalität”. Saudi Arabien hätte allle Voraussetzungen für ein allgemeines Wohlstandsniveau, die Demokratie ist aber dort noch immer nicht hergestellt, weil die dynastischen Machthierarchien, die noch dazu mit der strukturellen Gewalt der Hegemonialmächte des Westens infolge der Ressourcenverschränkung (Öl) verbündet sind, die Demokratisierung verhindern.
3) Was die 30-Jährigen lehren, und welche evolutiven Neuerungen die Vollreife beinhaltet ist eben noch sehr weit von den heutigen Konfliktstrukturen und ihrer Interpretation durch die Kämpfenden entfernt (vgl. den obigen hyperlink).
Comment by or-om — January 6, 2008 @ 11:26 pm
In diesem Punkt bin ich sowohl pessimistisch als auch optimistisch.
Unsere eigene Kultur erscheint uns wegen unserer kurzen Lebenszeit als eine Kultur von Bestand zu sein. Die Geschichte zeigt aber die Kulturen in einem permanenten Up-and-Down. Keine hat Bestand.
Die Entwicklung einer Kultur unterliegt wie die Entwicklung des Individuums einer notwendigen Vergänglichkeit ohne die eine Richtungsbestimmung gar nicht möglich wäre.
Eine Vollreife im Sinne eines anzustrebenden Ziels gibt es nicht, weil Kulturen zwar eine Reifephase aufweisen, irgendwann aber von anderen abgelöst werden. Wir wissen gar nicht, was das Ziel dieser Reife sein soll. Wir wissen es nur aus heutiger Sicht.
Franz
Comment by Franz Fiala — January 7, 2008 @ 7:02 am
@franz fiala
“Eine Vollreife im Sinne eines anzustrebenden Ziels gibt es nicht, weil Kulturen zwar eine Reifephase aufweisen, irgendwann aber von anderen abgelöst werden. Wir wissen gar nicht, was das Ziel dieser Reife sein soll. Wir wissen es nur aus heutiger Sicht.”
Diese Auffassung könnte selbst zu konservativ und zu sehr kulturabhängig sein. Die Gruppe Or-Om weist ständig auf evolutive Horizonte hin, welche Wissenschaft, Logik, Mathematik und natürlich auch Kunst und Soizialformationen auf völlig neue Grundlagen stellen könnte. Vgl. etwa: http:/www.internetloge.de/krause/uebersicht_krause_rubrik.pdf
Comment by or-om — January 7, 2008 @ 7:47 am
Friedrich Schillers “Ode an die Freude”
bearbeitet von Ludwig van Beethoven
aus dem 4. Satz der Sinfonie Nr. 9
Seid umschlungen, Millionen
Diesen Kuss der ganzen Welt!
Bruder! Über’m Sternenzelt
Muss ein lieber Vater wohnen
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahnest du den Schöpfer, Welt?
Such’ ihn über’m Sternenzelt!
Über Sternen muss er wohnen.
*
Mit diesem Ansatz entfällt der “Kultur-Kampf-Konflikt” und es wird übergeleitet zu einem gemeinsamen Erleben …
Der Philosoph Karl Christian Friedrich Krause (* 6. Mai 1781 in Eisenberg; † 27. September 1832 in München) glaubte an die Menschheit. Im “Tagblatt des Menschheitlebens” legt er folgendes Bekenntnis seines Glaubens an die Menschheit ab:
“Ich glaube an eine Menschheit des Weltalls (also nicht bloß der Erde), die ursprünglich und ewig in Gott ist, in Vernunft und Natur bestehend, die Einheit beider in Gott, von Gott geliebt und Gott liebend, das innigste Wesen Gottes im Wechselleben mit Gott, mit Vernuft und Natur als ein Ganzes und in allen Sonnenbauen (gleich Sonnensystemen) eigentümlich vollendet.”
Comment by Franz-L. Bruhns — January 7, 2008 @ 6:56 pm